neon rain recordings : MUSIK · GERÄUSCH · KUNST

die zeit und das geschehen aufzeichnen | to record time and what’s going on

Texte

Blunt Country

Lamento des Berufskraftfahrers

Ich fahr in meinem MAN
von Hamburg bis nach Bielefeld.
Arbeit hab ich immerhin,
ich brauch ja auch ein bißchen Geld
zum Leben, und manch anderem gehts
beschissener, ich rauche nur;
der andere fixt und holt sich AIDS.
Und manchmal frag ich mich »Was mach ich nur?«

Wie gern würd ich Maschinenbau studieren,
das würde sicher meinen Geist traineren.
Doch müßt ich erstmal Abi machen,
ja, es sind die kleinen Dinge,
die einem die Probleme machen.
Und das ist auch der Grund, warum
ich es im Leben zu nichts anderen
als zum Berufskraftfahrer bringe.

Es gibt ja »Zweiten Bildungsweg«,
davon hab ich schon mal gehört.
Doch hör mir auf, »Wer zahlt dein Steak«
fragt mich schon meine Frau empört,
»wenn du noch mal zur Schule willst?«
Ich weiß, daß ich ein Schafskopf bin,
sitz nur zuhaus und trinke Pils,
und manchmal frag ich mich »Wo liegt der Sinn?«

Ich würd so gern Maschinenbau studieren,
ich kann doch meinen Truck selbst reparieren.
Da wird man dümmer auch nicht von,
und Mädels gibt’s da jede Menge,
doch ich sitze faul herum.
Und das ist auch der Grund, warum
ich es im Leben zu nichts anderen
als zum Berufskraftfahrer bringe.

Ich würd so gern Maschinenbau studieren,
Das ist doch sicher gar nicht allzu schwierig zu kapieren.
Ich könnte in der Mensa essen,
und der Highway wär so fern,
doch stundenlang im Gras gesessen
habe ich als Kind schon gern.
So werd ich wohl trotz meiner Ambition
noch als Berufskraftfahrer sterben.

Danke, gut

Die Haare rot, die Augen fest geschlossen,
so lagst du da, Idylle nur zum Schein.
Denn ein nicht eben hölzerner Elfenbeinküster
nahm dich mir fort; jetzt bin ich so allein.
Ich gab dich auf, dabei war ich so fest entschlossen.
Ein Teil von dir wird dennoch ewig bei mir sein.

Ich fahre los, das Lenkrad fest umschlossen.
Der Diesel brummt mit ruhig sattem Klang.
Kollegen, die die Straße von uns hat gerissen
chauffiern im Geiste mit, die Reise ist noch lang.
Nur auf der Autobahn werd ich dich nicht vermissen.
Es fröstelt mich, die Heizung kommt in Gang.

Die Straße frei den Trucker-Legionen,
am Rasthof raus, der Magen will sein Recht.
Im »Blauen Raben« heut serviert man uns Melonen,
doch das macht Dünnschiß aus dem Bier, und mir wird schlecht.

Alles war rot, die Augen fast geschlossen:
so lagst du da, mit starr erloschenem Blick.
Du warst nicht treu, so hab ich dich erschossen,
doch irgendwann kehren beide wir zurück.

Wird welk die Welt, und Dunkelheit umfängt uns;
alles, was stand, zerfasert und zerfällt;
Seh ich dich stehen im Mahlstrom des Zerbrechens,
sag ich zu dir »Dein süßes Herz war stets bei mir.«
Dein rohes Herz war die ganze Zeit bei mir.